Freitag, 25. Januar 2013

Stadtvertrauen

Meine Eltern sind gern mit uns spazieren gegangen. Was bei anderen Familien in einer knappen Stunde erledigt ist, dauerte bei uns eher drei Stunden. Und auch wenn ich sicher mal gejammert habe - im Grunde habe ich es geliebt! So haben meine Eltern vielleicht angelegt, was ich heute auslebe: Stadtraum durchstreifen.

Was vielleicht noch wichtiger war als diese sonntäglichen Spazierwanderungen: spätestens seit wir in der Schule waren, haben meine Eltern uns auch ohne ihre Begleitung auf die Straße gelassen. Sicher, mit drei älteren Geschwistern hat man es da einfacher, außerdem gab es meinen Sandkasten- und Grundschulkumpel Andreas aus dem Nachbarhaus, ich war also nie allein unterwegs. Auch die Verkehrslage mag sich verändert haben - obwohl es schon damals keine Kleinigkeit war, den Spandauer Damm zu überqueren! Es gab ein paar Ansagen, wie weit, mit wem und wann nach Hause (wenn die Straßenlaternen angingen ...) und sonst eine Menge, ja: Vertrauen muss man das wohl nennen ...

Dieses eigenständige Erkunden der näheren Umgebung ist ungeheuer wichtig - um Orientierung zu lernen, aber auch um ein Gefühl für (vielleicht auch gefährliche) Situationen und un|freundliche Stadträume zu bekommen. Und es macht irre stolz, wenn man als alt genug befunden wird, ALLEIN einen Liter Milch im Laden an der Ecke kaufen zu gehen. Heute sieht man solche Kindergruppen, wie wir sie früher waren, nur noch selten, geschweige denn Kinder, die alleine unterwegs sind.

Bestimmt müssten wir Kindern bessere Räume bieten - der Spielplatzdesigner Günter Beltzig hat ja ganz recht: "Die Gärten müssen hübsch und ordentlich sein, der Verkehr muss fließen, jeder möchte seine Ruhe haben. Ja, wo bleibt denn da noch der Platz für Kinder?" Aber wir müssen sie auch neugierig machen und zulassen, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen ...

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