Mittwoch, 1. Februar 2012

2x David, zu Fuß und mit dem Rad

Mit großem Vergnügen lese ich gerade zwei Bücher parallel: Welche Farbe hat Berlin von David Wagner und die Bicycle Diaries von David Byrne. Da streifen die beiden zu Fuß oder mit dem Rad durch die Stadt und kommen dabei nicht nur an den sogenannten wichtigen Orten vorbei, sondern erkunden mit Vorliebe Nebenstraßen, Brachen, aufgelassene Quartiere, die Peripherie (also das wirklich Spannende, wenn man mich fragt). Sie bemerken scheinbar Nebensächliches und machen die konkreten Beobachtungen zum Ausgangspunkt für ihre Gedanken über Stadtnutzung und -entwicklung, über Musik und Kunst, Werbung, Stadtmöbel und vieles mehr.



Ich kann nachvollziehen, warum Byrne schreibt, dass er inzwischen "abhängig" vom Radfahren geworden ist: "This point of view - faster than a walk, slower than a train, often slightly higher than a person - became my panoramic window on much oft the world" - einsichtig, dass sich die Art der Fortbewegung auch auf die Wahrnehmung auswirkt. Noch viel besser aber gefällt mir diese Stelle aus Welche Farbe hat Berlin:
"Scheint so, als hätten meine Schuhe ohne mich entschieden. Sie sind einfach losgegangen. Das Gehen hat sich verselbständigt, und ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich selbst, ob tatsächlich ich es bin, der hier einen Fuß vor den anderen setzt. Geht die Stadt vielleicht mit mir spazieren?"
Das Ziel aller Ziele, zumindest für echte Spaziergänger_innen :-)

PS. Wen es interessiert: "Berlin ist rot, Berlin ist grün und nachts in manchen Wohngebieten des Westens gaslichtgelb". Und außerdem noch eine ganze Reihe von anderen Farben.