Montag, 2. Januar 2012

Der Zusammenhang von Basteln und Spaziergehen oder Rallyes mit Design

Ich sollte wieder eine Gruppe von 40 internationalen Jugendlichen durch Berlin schleusen. Führungsteil also kurz und knapp (schon aus sprachlichen Gründen), dafür reichlich Zeit für selbständige Erkundung, Wege finden, Aufgaben lösen. Eine neue Rallye musste also her ...

Aber wie eignet man sich eigentlich eine Stadt an? Die meisten von uns laufen ja nicht ständig mit dem Stadtplan vor dem Bauch herum, sondern reagieren auf Wegmarken, Sehenswürdigkeiten, Ausblicke, Gerüche, Gefühle. Selbst wenn wir vorher den Reiseführer lesen, wollen wir doch auch eigene Entdeckungen machen und vielleicht sogar unsere eigenen „Aufgaben“ finden: Sieht das Café da gut aus? Ist es eine Abkürzung, wenn ich vorne links gehe? Ist das ein freundliches Lächeln? Fühle ich mich hier gerade wohl oder gehe ich lieber schnell weiter?


Die bei Rallyes so beliebten DIN A-4-Zettel mit umfassender Wegbeschreibung und Fragen zu Geschichte und messbaren Dingen (à la „Wie viele Bäume stehen im Museumshof?“) mochte ich schon länger nicht mehr. Ich finde inzwischen offene Aufgaben viel interessanter, bei denen die Jugendlichen sich Gedanken darüber machen sollen, wie Stadt funktioniert. Oder gleich die gute alte Schnitzeljagd.
Meine Idee für diesen Sommer war dann die Fotorallye – die Gruppe musste die Augen also weniger auf einen Zettel, als auf die Straße richten, um die Bilder mit der Realität abzugleichen.

Es ist eine Menge Arbeit, eine Route so zu fotografieren und die Fotos so zu bearbeiten, dass es funktioniert. Außerdem habe ich noch einen kunstvollen Leporello gefaltet, damit die Fotos nicht durcheinander geraten – Basteln und Spazierengehen, das gehört für mich jetzt einfach zusammen ...


Ganz Berlin | Stadterkundungen nach Wunsch | thematisch oder offen, mit Fotos oder klassisch, mit oder ohne Auswertung

Zurück ins Grüne, zurück zur Kindheit

Als ich mir vor Jahren meine erste Stadtführungsroute überlegte und aufs Westend kam, hatte das natürlich auch mit Nachfrage zu tun: die Gegend, entstanden als Villenkolonie in den 1860er Jahren, war gerade nicht im Angebot. Aber abgesehen davon zeigte sich: ich mache gern Themen mit persönlichem Bezug.

Ich lernte bei meinen Recherchen, dass August Endell der Architekt des Hauses in der Kastanienallee war, das mir schon als Kind so gut gefallen hatte (er entwarf außerdem den ersten der Hackeschen Höfe); dass viele Bäume, die den Alleen ihre Namen gaben, 130 Jahre alt waren. Als Kind war mir das egal, toll fand ich sie trotzdem.
Man bekommt schon früh ein Gespür für die Gegend, in der man aufwächst. Für 'schöne' Häuser, für gelungene Räume, für Orte, an denen man sich unwohl fühlt. Vorausgesetzt, die Eltern lassen einen herumlaufen ...

Das Schöne an meiner Westend-Tour ist auch, dass es anderen Leuten ebenso ergeht wie mir. Oft laufen Leute mit, die in der Gegend wohnen oder gewohnt haben. Sie erzählen dann Geschichten von früher, erinnern sich an ihren Schulweg oder fragen nach verschwundenen Tante-Emma-Läden.

Villenkolonie Westend | Stadtführung zu Fuß | Stadt- und Architekturgeschichte