Freitag, 11. Mai 2012

Über André Le Nôtre, den Gartengestalter von Versailles:
"Das Gehen ist seine Freundin. Das Gehen ist seine Verbündete, dem Auge ebenbürtig. Kann man richtig sehen, ohne zu gehen? Kann man gut gärtnern, ohne zu sehen und zu gehen? Das Auge verschafft zwar die Perspektive, doch das Gehen erst verleiht ihr Leben."

Menschenrechte finden

Der Beruf bringt es mit sich, dass Leute nicht nur "das Übliche"an Stadtführungen erfragen, sondern auch mit etwas kniffligeren Ideen kommen. "Machst du Menschenrechte?" war so eine Frage - und ich hatte zwar noch keine Ahnung, wie genau ich das im Stadtraum umsetzen sollte, sagte aber sofort "Wie aufregend, na klar!".

Wie sieht es nun aus, wenn eine Gruppe auf der Suche nach Menschenrechten durch Berlin läuft? Man kann Geschichten erzählen - z.B. von Menschen, die sich für Menschenrechte eingesetzt haben.

Beispiel Georg Elser-Denkmal - hier wurde auch diskutiert, wie weit Widerstand gehen soll ...

Man zeigt / sucht Orte, an denen Menschenrechte gestaltet, gefördert oder auch verletzt werden - z.B. Ministerien, Botschaften oder (öffentliche) Institutionen.

Beispiel Öffentliche Bibliothek und das Recht auf Bildung

 Man schaut sich im öffentlichen Raum um - Straßennamen und Denkmäler, aber auch Werbung und Raumgestaltung, das alles kann Auskunft geben über den Stand und das Verständnis von Menschenrechten.


Beispiel Überwachung: Artikel 13 oder Artikel 17?

Am Ende erbrachten meine Versuche, Menschenrechte zu finden, auch wieder den Beweis: sie sind nicht abstrakt, sondern finden sich gleich um die Ecke ...

Ganz Berlin | allgemein oder zugeschnitten auf einzelne Rechte | mit Fotos oder beschreibend, mit oder ohne Auswertung


Mittwoch, 1. Februar 2012

2x David, zu Fuß und mit dem Rad

Mit großem Vergnügen lese ich gerade zwei Bücher parallel: Welche Farbe hat Berlin von David Wagner und die Bicycle Diaries von David Byrne. Da streifen die beiden zu Fuß oder mit dem Rad durch die Stadt und kommen dabei nicht nur an den sogenannten wichtigen Orten vorbei, sondern erkunden mit Vorliebe Nebenstraßen, Brachen, aufgelassene Quartiere, die Peripherie (also das wirklich Spannende, wenn man mich fragt). Sie bemerken scheinbar Nebensächliches und machen die konkreten Beobachtungen zum Ausgangspunkt für ihre Gedanken über Stadtnutzung und -entwicklung, über Musik und Kunst, Werbung, Stadtmöbel und vieles mehr.



Ich kann nachvollziehen, warum Byrne schreibt, dass er inzwischen "abhängig" vom Radfahren geworden ist: "This point of view - faster than a walk, slower than a train, often slightly higher than a person - became my panoramic window on much oft the world" - einsichtig, dass sich die Art der Fortbewegung auch auf die Wahrnehmung auswirkt. Noch viel besser aber gefällt mir diese Stelle aus Welche Farbe hat Berlin:
"Scheint so, als hätten meine Schuhe ohne mich entschieden. Sie sind einfach losgegangen. Das Gehen hat sich verselbständigt, und ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich selbst, ob tatsächlich ich es bin, der hier einen Fuß vor den anderen setzt. Geht die Stadt vielleicht mit mir spazieren?"
Das Ziel aller Ziele, zumindest für echte Spaziergänger_innen :-)

PS. Wen es interessiert: "Berlin ist rot, Berlin ist grün und nachts in manchen Wohngebieten des Westens gaslichtgelb". Und außerdem noch eine ganze Reihe von anderen Farben.

Montag, 2. Januar 2012

Der Zusammenhang von Basteln und Spaziergehen oder Rallyes mit Design

Ich sollte wieder eine Gruppe von 40 internationalen Jugendlichen durch Berlin schleusen. Führungsteil also kurz und knapp (schon aus sprachlichen Gründen), dafür reichlich Zeit für selbständige Erkundung, Wege finden, Aufgaben lösen. Eine neue Rallye musste also her ...

Aber wie eignet man sich eigentlich eine Stadt an? Die meisten von uns laufen ja nicht ständig mit dem Stadtplan vor dem Bauch herum, sondern reagieren auf Wegmarken, Sehenswürdigkeiten, Ausblicke, Gerüche, Gefühle. Selbst wenn wir vorher den Reiseführer lesen, wollen wir doch auch eigene Entdeckungen machen und vielleicht sogar unsere eigenen „Aufgaben“ finden: Sieht das Café da gut aus? Ist es eine Abkürzung, wenn ich vorne links gehe? Ist das ein freundliches Lächeln? Fühle ich mich hier gerade wohl oder gehe ich lieber schnell weiter?


Die bei Rallyes so beliebten DIN A-4-Zettel mit umfassender Wegbeschreibung und Fragen zu Geschichte und messbaren Dingen (à la „Wie viele Bäume stehen im Museumshof?“) mochte ich schon länger nicht mehr. Ich finde inzwischen offene Aufgaben viel interessanter, bei denen die Jugendlichen sich Gedanken darüber machen sollen, wie Stadt funktioniert. Oder gleich die gute alte Schnitzeljagd.
Meine Idee für diesen Sommer war dann die Fotorallye – die Gruppe musste die Augen also weniger auf einen Zettel, als auf die Straße richten, um die Bilder mit der Realität abzugleichen.

Es ist eine Menge Arbeit, eine Route so zu fotografieren und die Fotos so zu bearbeiten, dass es funktioniert. Außerdem habe ich noch einen kunstvollen Leporello gefaltet, damit die Fotos nicht durcheinander geraten – Basteln und Spazierengehen, das gehört für mich jetzt einfach zusammen ...


Ganz Berlin | Stadterkundungen nach Wunsch | thematisch oder offen, mit Fotos oder klassisch, mit oder ohne Auswertung

Zurück ins Grüne, zurück zur Kindheit

Als ich mir vor Jahren meine erste Stadtführungsroute überlegte und aufs Westend kam, hatte das natürlich auch mit Nachfrage zu tun: die Gegend, entstanden als Villenkolonie in den 1860er Jahren, war gerade nicht im Angebot. Aber abgesehen davon zeigte sich: ich mache gern Themen mit persönlichem Bezug.

Ich lernte bei meinen Recherchen, dass August Endell der Architekt des Hauses in der Kastanienallee war, das mir schon als Kind so gut gefallen hatte (er entwarf außerdem den ersten der Hackeschen Höfe); dass viele Bäume, die den Alleen ihre Namen gaben, 130 Jahre alt waren. Als Kind war mir das egal, toll fand ich sie trotzdem.
Man bekommt schon früh ein Gespür für die Gegend, in der man aufwächst. Für 'schöne' Häuser, für gelungene Räume, für Orte, an denen man sich unwohl fühlt. Vorausgesetzt, die Eltern lassen einen herumlaufen ...

Das Schöne an meiner Westend-Tour ist auch, dass es anderen Leuten ebenso ergeht wie mir. Oft laufen Leute mit, die in der Gegend wohnen oder gewohnt haben. Sie erzählen dann Geschichten von früher, erinnern sich an ihren Schulweg oder fragen nach verschwundenen Tante-Emma-Läden.

Villenkolonie Westend | Stadtführung zu Fuß | Stadt- und Architekturgeschichte